Was ist Scharade? Bedeutung, Herkunft und Spielprinzip
Was ist Scharade? Ein Ratespiel, bei dem eine Person einen Begriff ohne Worte, nur mit Gesten, Mimik und Bewegung darstellt, während die anderen ihn erraten. Das Wort stammt vom französischen charade und meinte ursprünglich ein Silbenrätsel. Im Deutschen sagt man heute meist Pantomime dazu, die Handy-Variante heißt Stirnraten.
Was ist Scharade? Die Bedeutung des Wortes
Scharade ist ein Lehnwort aus dem Französischen. Dort bezeichnet charade seit dem 18. Jahrhundert ein Rätsel, bei dem ein Wort in seine Silben zerlegt wird. Jede Silbe wird einzeln umschrieben, am Ende wird das Ganze beschrieben. Die genaue Herkunft des französischen Wortes ist nicht sicher geklärt.
Ein Beispiel, wie eine klassische Scharade in Reimform aussehen kann:
Das Erste wärmt vom Himmel her, das Zweite schützt, wenn’s regnet sehr, das Ganze steckt im Ostseesand und schützt die Haut vor Sonnenbrand.
Die Lösung ist Sonnenschirm: Sonne plus Schirm. Gerade die deutsche Sprache mit ihren vielen zusammengesetzten Wörtern eignet sich wunderbar für dieses Prinzip, ob gereimt oder vorgespielt.
So wird aus dem Rätsel ein Spiel: Beim Wort Handschuh legt ihr zuerst zwei Finger auf den Unterarm, um zwei Silben anzukündigen. Für die erste Silbe winkt ihr mit der Hand, für die zweite zeigt ihr auf euren Schuh. Zum Schluss zieht ihr mit einer großen Geste einen unsichtbaren Handschuh über die Finger. Genau diese Technik nutzen geübte Runden bis heute, wenn ein Begriff als Ganzes zu schwer ist.
Woher kommt das Spiel?
Die Geschichte der Scharade lässt sich in drei Schritten erzählen:
- 18. Jahrhundert, Frankreich: Scharaden sind Wort- und Silbenrätsel, die in Gesellschaft vorgetragen oder in Zeitschriften gedruckt werden.
- 19. Jahrhundert, England: In den Salons wird aus dem Rätsel ein Spiel. Die Silben werden nun als kleine Szenen gespielt, oft mit Verkleidung und anfangs auch mit Dialog.
- 20. Jahrhundert: Die stumme Variante setzt sich durch. Gesprochen wird nicht mehr, dafür entstehen feste Handzeichen für Film, Buch, Lied und Wortanzahl. So spielen wir Scharade bis heute.
Aus einem Rätsel für Wortakrobaten ist damit ein Bewegungsspiel für alle geworden, das sich in jedem Wohnzimmer spielen lässt.
Scharade, Pantomime, Stirnraten: was ist was?
Im deutschsprachigen Raum gibt es mehrere Begriffe, die oft durcheinandergehen. Diese Übersicht hilft:
| Begriff | Bedeutung | Wer spielt vor, wer rät? |
|---|---|---|
| Scharade | Ursprünglich Silbenrätsel, heute das Ratespiel mit Darstellung | Eine Person spielt, das Team rät |
| Pantomime | Darstellende Kunst ohne Worte, im Alltag auch Name des Spiels | Eine Person spielt, das Team rät |
| Stirnraten | Variante mit Karte oder Handy an der Stirn | Die Gruppe spielt, die Person mit dem Begriff rät |
| Wer bin ich? | Klassische Zettel-Variante, meist mit Ja-Nein-Fragen | Die Person mit dem Zettel fragt und rät |
Das Wort Pantomime kommt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß alles nachahmend. Als Bühnenkunst ist Pantomime viel älter als das Ratespiel.
Mehr zur Handy-Variante lest ihr in unserem Artikel über Stirnraten.
Wie funktioniert das Spielprinzip?
Die Grundregeln sind in wenigen Sätzen erklärt:
- Ab drei Personen kann es losgehen, ab vier teilt ihr euch in zwei Teams.
- Eine Person zieht einen Begriff und darf ihn nur sich selbst ansehen.
- Sie stellt den Begriff ohne Worte und ohne Geräusche dar.
- Ihr Team ruft Vermutungen, bis jemand richtig liegt oder die Zeit abläuft. Üblich sind 60 Sekunden.
- Für jeden erratenen Begriff gibt es einen Punkt, dann ist das andere Team an der Reihe.
Wichtige Hilfsmittel sind die Handzeichen: Finger hochhalten für die Wortanzahl, Finger auf den Unterarm legen für Silben, am Ohrläppchen zupfen für klingt wie. Die vollständigen Regeln stehen in unserer Pantomime Anleitung.
Welche Begriffe eignen sich für Scharade?
Grundsätzlich alles, was sich zeigen lässt. Für den Einstieg sind Tätigkeiten und Figuren am besten. Diese Beispiele stammen aus dem Deck Spiel es vor:
- Leicht: Luftballon aufblasen, Mit einem Strohhalm trinken, Sich am Rücken kratzen, SMS schreiben, Fenster öffnen
- Mittel: Pfannkuchen wenden, Pizzateig werfen, Vom Sprungbrett springen, Matrose hisst das Segel
- Schwer: Auf einer Beerdigung nicht lachen können, Astronaut im Weltraumspaziergang
Wer lieber Figuren nachmacht, findet im Deck Imitationen Begriffe wie Roboter, Ninja, Oma, Opernsängerin oder Luftgitarrist. Besonders hübsch: Auch Pantomime selbst ist dort eine Karte, also ein Pantomime, der einen Pantomimen spielt.
Klassische Scharaden-Kategorien sind außerdem Filme, Bücher, Lieder und Sprichwörter. Bei ihnen kommen die Silben- und Wortzeichen am häufigsten zum Einsatz, ganz im Sinne des ursprünglichen Silbenrätsels.
Wo spielt man Scharade heute?
Scharade ist ein echtes Allroundspiel. Typische Anlässe im deutschsprachigen Raum sind:
- Spieleabende mit Freunden und in der WG
- Familienfeste, Weihnachten und Silvester
- Kindergeburtstage und Kinderfasching
- Unterricht, vor allem im Sprachunterricht und in Deutsch als Fremdsprache
- Teamevents und Firmenfeiern
- Videoanrufe mit Familie und Freunden in anderen Städten
Wer keine Karten schreiben möchte, nutzt heute oft das Handy. In der Act Up App hält die ratende Person das Handy an die Stirn, die anderen spielen den Begriff vor, und durch Kippen wird gewertet oder weitergegeben. Das Deck Spiel es vor ist dort dauerhaft kostenlos.